Eine elementare Zusammenfassung der wesentlichen Merkmale des Korans



Der Koran

„Die Offenbarung dieses Buchs, das nichts Zweifelhaftes und keine falschen Weisungen enthält, stammt vom Herrn der Welten“ (32:2).

„(Der Koran ist) eine Erinnerung für die Gottesfürchtigen. Eine Offenbarung von Ihm, Der die Erde erschaffen hat und die hohen Himmel“ (20:3-5).

Als Heilige Schrift der Muslime ist der Koran maßgeblich für über eine Milliarde Menschen, verteilt auf alle Kontinente der Welt. An vielen Stellen des Buches, das in Suren (Kapitel) und Verse (Absätze) unterteilt ist, gibt sich der Verfasser zu erkennen: „Die Offenbarung dieses Buches stammt von Allah, dem Allmächtigen, dem Weisen“ (40:2; 45:2; 46:2), und zwar Satz für Satz und Wort für Wort.



Bedeutung des Wortes "Koran"

Das Wort Koran ist aus dem arabischen Qara`a abgeleitet und bedeutet Dreierlei, nämlich lesen, eine Botschaft mitteilen und etwas zusammenstellen oder anordnen. Alle drei Bedeutungen treffen auf den Koran zu. Es handelt sich um ein Buch, das gelesen werden soll, das eine Botschaft für die Menschheit beinhaltet und das auf bestimmte Art und Weise zusammengestellt wurde. Der Koran wird als das „vollkommene Buch“ (2:2) bezeichnet. Darüber hinaus finden sich mindestens noch 27 Stellen, in denen der Koran durch Umschreibungen charakterisiert wird, unter anderem Ermahnung (15:9), Führung (72:13), Weisheit (17:39) und als heilend (10:57).



3. Die Sprache des Korans

Der Koran wurde in der Muttersprache des Propheten Mohammed, nämlich in arabisch geoffenbart. Das Wort Arabiyyun ist von Ariba abgeleitet. Und das bedeutet soviel wie klar, deutlich und unmissverständlich. Und auch in diesem Sinn ist Vers 12:2 zu verstehen:

„Wir haben diesen Koran in einer klaren unmissverständlichen Sprache geoffenbart.“ (12:2)

Die arabische Sprache ist im Gegensatz zu Altgriechisch, Aramäisch, Lateinisch oder Sanskrit, also den Ursprachen von Bibel und Vedas, eine lebendige Sprache, die heute noch existiert. Sie besitzt eine sehr ausgereifte Grammatik, eine festgelegte Aussprache sowie einen extrem reichen Wortschatz. Laut Koran hätte der Wortschatz einer beliebigen anderen Sprache für diese letzte und perfekte Offenbarung nicht ausgereicht, um die göttliche Botschaft eindeutig weiterzugeben.

"Hätten Wir diesen Koran in einer (anderen) fremden Sprache geoffenbart, so hätten die Gegner mit Recht beanstandet, dass der Sachverhalt dieses Buch ist nicht klar ausgedrückt worden. Eine andere (fremde) Sprache ist der (klaren, ausdruckstarken) arabischen Sprache nicht ebenbürtig“ (41:44; vgl. 43:3).



Frei von jeglichem Widerspruch

Der Koran beansprucht, frei von Widersprüchen zu sein (4:82). Damit wird auch dem Konzept der Abrogation ein Absage erteilt, nach dem einige Verse aus späteren Offenbarungen Versen aus früheren Offenbarungen widersprechen würden und diese ersetzen. Dieses Konzept kann nicht auf den Propheten Mohammed zurückgeführt werden, der so etwas nie erwähnt hat. Verse 2:106 und 16:101 beziehen sich auf das Ersetzen vor-koranischer Offenbarungen durch den Koran. Auf den ersten Blick existierende Widersprüche lösen sich bei genauerem Nachdenken immer auf.

Wollen sie denn nicht über den Koran nachdenken? Wäre er von jemand anderem als Gott, würden sie allerlei Widersprüche darin finden“ (4:82).



Die Anordnung des Korans

Leider kursiert - sogar unter einigen Islamwissenschaftlern - die falsche Auffassung, der Koran sei erst nach dem Tod des Propheten in seiner heute üblichen Form angeordnet worden, und zwar entsprechend der Länge der Suren - die langen Suren am Anfang, die kurzen zum Schluss. Allein schon die Tatsache, dass die Zusammenstellung der Suren nach ihrer jeweiligen Länge nicht konsequent eingehalten wurde, spricht gegen diese Unterstellung. Vielmehr steht hinter der Sortierung der 114 Suren mit insgesamt 6236 Versen Absicht.

„Text und Anordnung der Verse dieses Buches stammen von Gott, dem Allmächtigen und Weisen“ (39:1; 40:2; 41:2).

„Uns obliegt die Zusammenstellung (der Verse) und (ihre) Reihenfolge“ (75:17).

„Wir haben ihn (den Koran) portionsweise herabgesandt und ihm (trotzdem) eine ausgezeichnete Form und Aufteilung gegeben“ (25:32).

Das heißt, die Suren und Verse sind so angeordnet, wie es der Prophet auf Geheiß Gottes bestimmt hat. Alle heutigen Koranfassungen lassen sich lückenlos bis zu dem Propheten zurück verfolgen.



Die Reinheit und Unversehrtheit des Textes

„Wir haben diese Ermahnung herabgesandt und wir werden sie bewahren.“ (15:9).

Direkt nach jeder neuen Offenbarung versammelte der Prophet seine Gemeinde um sich und die neuen Texte wurden auswendig gelernt. Dabei wurden sie immer wieder verglichen und nötigenfalls korrigiert. Eine Veränderung durch Hinzufügen oder Weglassen war in der damaligen Gesellschaft nicht möglich. Außerdem achtete der Prophet darauf, dass die offenbarten Abschnitte mit den damals üblichen Mitteln aufgeschrieben wurden. Zusätzlich überwachte er, dass jede neuen Offenbarung von den über 20 dafür verantwortlichen Schreibern dort eingefügt wurde, wo Gott es ihm aufgetragen hatte. Im Koran wird der Prophet aufgefordert, „die niedergeschriebenen“ Texte zu rezitieren. Entsprechend dem Fortschritt der Offenbarungen hat der Koran also von Anfang an in Form einer „Loseblattsammlung“ existiert, die nach dem Tod des Propheten in Buchform zusammengefasst wurde und bis heute in unveränderter Form bewahrt ist.



Verständnis und Erläuterung des Korans

Der Koran beansprucht, von sich heraus verständlich zu sein und keiner Auslegung und keiner externen Erläuterung zu bedürfen.

„Wir alleine sind verantwortlich für seine Erklärung“ (75:19).

Wenn man eine Stelle nicht versteht, lässt sich an anderen Stellen eine Erklärung dafür finden, z.B. auf Fragen wie: Was versteht man unter gnadenreich? Wer ist gläubig, wer ungläubig? Was ist ein Heuchler? Was ist die Hölle und was sind die Engel? Kommentatoren, die den Koran entsprechend dem Koran anhand des Korans erläutern, sind z.B. Razi, Ibn Arabi, Ibn Kathir, Baidawi, Tabari, Zamakhshari.



Thematische Schwerpunkte des Korans

Nach al-Ghazali (12. Jahrhundert) lassen sich die Aussagen des Koran in sechs Themenkreise einordnen: Wissen über Gott, der Weg zu Gott, Stufen der spirituellen Entwicklung, Lehren aus der Menschheitsgeschichte, Menschenrechte und Argumente gegen Unglauben.



Unnachahmlichkeit des Korans

Der Koran stellt den Anspruch der Unnachahmlichkeit (17:88; 2:23; 10:38), was sich auf die Harmonie der Sprache sowie auf die Form und die inhaltliche Richtigkeit bezieht. Er ist in einer Art Reimform verfasst und klingt für einen muttersprachlichen Hörer außergewöhnlich schön, und seine Rezitation vermag Leute buchstäblich zu Tränen rühren oder Gänsehaut verursachen.